Posts

Ist der Weg wirklich das Ziel?!

Bild
Absperrung oder Wendepunkt? Jeder Schritt schmerzt. Ich röchele, will unbedingt noch den letzten Läufer vor mir überholen. Der Rennsprecher befeuert den bevorstehenden Zweikampf auf der Zielgeraden. Die Menge tobt und genießt diesen emotionalen Ehrgeiz der Kontrahenten. Das Duell entscheide ich für mich, der Geschlagene gibt mir im Vorbeigehen einen freundschaftlichen Klaps auf die Schulter. Als meine brennende Lunge sich erholt hat, blicke ich um mich und suche etwas. Ich weiß nicht was. In meinem bis dato wichtigsten Lauf, einem Halbmarathon am Bodensee, suche ich nach einem Gefühl der tiefen Befriedigung. Es will sich nicht einstellen. Stattdessen kauere ich gedankenversunken auf einer Brunnentreppe samt alkoholfreiem Bier aus dem Pappbecher. Ich gehe tiefer in mich. Um mich herum finden angeregte, gelöste Gespräche statt. Mir gehen viele Gedanken durch den Kopf: Warum ist dieser Lauf schon vorbei?! War es das etwa schon?! Ist das der Lohn der akribischen und fordernde...

Ist doch alles selbstverständlich....

Bild
Totgesagte leben länger Man kommt von der Arbeit nach Hause. Das Essen ist längst kalt geworden. Die S-Bahn ist mal wieder ausgefallen. Zu allem Überfluss zieht man sich beim Sprint zum kurzfristig geänderten Bahngleis eine leichte Wadenzerrung zu. Das ist gerade noch zu verschmerzen. Doch auf der Heimfahrt liest man die Wettervorhersage für die kommende Woche und es überkommt einen dieser Gefühlsmix aus Ohnmacht und Wut. Ausgerechnet jetzt, wenn der Urlaub ansteht, muss eine Schlechtwetterfront heraufziehen. Beim Ausstieg ist die Türe defekt und man ist gezwungen zum nächsten Waggon zu hetzen. Auf der Couch schildert die Tagesschaussprecherin die Hauptgründe für den leichten Anstieg der Arbeitslosenquote in Deutschland und berichtet ausführlich über einen skrupellosen Übergriff auf eine Seniorin in einer Berliner U-Bahn-Station.  Der gebrauchte Tag, welchen man in dieser miserablen Qualität so gar nicht gebraucht hätte, wird mit Chips, einem Frustbierchen und einer seic...

Warum ich chemische Drogen nehme...

Bild
Euphorie dank Chemie. Wir kennen es wohl alle. Irgendwie hört sich jeder Song magisch an. Der Text kommt uns locker leicht über die Lippen. Unsere Sinne sind unheimlich benebelt und doch fokussiert. Wildfremde sind uns plötzlich wahnsinnig sympathisch. Die Zunge genießt regelrechte Geschmacksexplosionen, bekommt nicht genug davon. Selbst Bewegungslegastheniker fühlen sich unaufhaltsam, schweben über die Tanzfläche und beanspruchen hartnäckig die Erfindung des Moonwalks für sich. Es ist kein unangenehmes Schwindelgefühl, das uns überkommt. Eher ein sicheres Gleiten durch den Nebel der Euphorie. Es soll Weltmeister des präzisen Pegelhaltens geben, welche das Niveau des Wohlgefühls, ohne gravierende Abweichungen, konstant halten können.  Nicht selten bringt ein heftiger Rausch unkontrollierbare Bruchlandungen, Gedächtnislücken oder temporäre Reue mit sich. Bisher gibt es noch kein probates Mittel, welches in der Lage ist , jene Neben- bzw. Wechselwirkungen vollstä...